Die Wallfahrtskirche

 

„Maria Heimsuchung“ in Frauenberg

 

 

 

 

Instandsetzung der Dachkonstruktion, Sicherung des Netzrippengewölbes, sowie statische Sicherung der Empore

 

 

Eine Dokumentation der Sanierungsmaßnahmen

von September 1998 – Oktober 2000

 

 

2.      Baubeschreibung

 

2.1    Gebäudebeschreibung

 

Die Filialkirche in Frauenberg ist eine einschiffige Halle aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, d. h. der gotischen Bauperiode mit Fresken um 1580 – 1600, sowie Ausstattungen aus dem Barock und Rokoko. Der Turm, der im unteren Kernbereich noch von der romanischen Vorläuferin der heutigen Kirche stammt, springt auf der nordöstlichen Seite ins Kirchenschiff ein.

Kirchenrechnungen des Jahres 1712 kann man entnehmen, daß der Turm zu diesem Zeitpunkt eine barocke Zwiebelkuppel besaß. Diese Kuppel, sowie der obere achteckige Aufsatz auf dem Turm dürften analog dem Umbau der Pfarrkirche in Adlkofen ausgeführt worden sein, da hier ein Hinweis „ auf dieselbe Baumaßnahme in Frauenberg“ vorliegt.  1866 bei der Erneuerung des Turmes ist diese durch die heutige spitze Form ersetzt worden.

 

Als der Orkan „Wiebke“ am 1. März 1990 die Spitze vom Turm riß, gab es eine große Diskussion, dem Turm seine Kuppel wieder aufzusetzen. Jedoch konnten sich bei einer geheimen Abstimmung die Befürworter der Spitze durchsetzen.

 

Das Langhaus selbst ist in vier Joche unterteilt, der Chor besteht aus zwei Jochen und ist mit drei Achteckseiten abgeschlossen. Nördlich befindet sich der Turm sowie eine moderne Sakristei. Außerdem befindet sich im Westen eine neuzeitliche Vorhalle.

 

im Chor, sowie im Langhaus befinden sich kunstvoll figurierte Netzgewölbe auf gefasten Wandpfeilern und spitzen Schildbögen. Halbrunde Profilkonsolen, im Langhaus teilweise mit vorgelegten spitzen Wappenschildern, nehmen die birnstab- förmigen Rippen auf. An den Scheiteln der Gewölbe befinden sich große, an ver- schiedenen anderen Rippenkreuzungen kleine runde Schlußsteine, die zum Teil mit Wappenschildern belegt sind (siehe auch Punkt 3.2.3.4 Netzrippengewölbe mit Wappendarstellungen). Der Chorbogen ist spitz, die Fenster dagegen rundbogig verändert.

Das Äußere der Kirche ist schlicht gestaltet. Die Strebepfeiler am Langhaus wie auch die Sakristei und die Eingangshalle sind neueren Datums.

2.2    Innenausstattung

 

 

2.2.1 Allgemein

 

Die Kirche ist reich ausgestattet. Ihre Einrichtung gehört verschiedenen Stilrichtungen an. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte wurde immer wieder renoviert und verschiedenes dem damaligen Zeitgeschmack angepaßt. Im folgenden werden nur die wesentlichen Teile der Innenausstattung ausgeführt.

 

 

2.2.2 Eingangsvorbau

Im Vorzeichen der Kirche befindet sich ein in der Landshuter Gegend immer seltener werdender Totenerker mit drei Totenköpfen und 3 Röhrenknochen. Darüber ist ein Gemälde, das die den der Armen Seelen im Fegefeuer darstellt.

 

 

2.2.3 Langhaus

 

2.2.3.1 Altäre

 

Der Hochaltar mit Formen des Rokoko  aus der Zeit um 1760 (Veit Braunberger aus Vilsbiburg) hat einen durchbrochenen Aufbau mit vier Säulen. Er enthält außer zwei lebensgroßen Seitenfiguren (rechts der hl. Benno, links St. Ulrich) anstelle eines Altarblattes die ebenfalls lebensgroße spätgotische Madonna auf einer Mondsichel, die aus dem alten Flügelaltar stammt.

 

Der alte Flügelaltar, ursprünglich Hauptaltar, steht nunmehr an der ins Langhaus einspringenden Turmwand. Er ist ein bedeutendes Kunstwerk aus der Zeit von

1480/90. Seine Reliefs und Gemälde mit Themen aus dem Marienleben zählen zu den besten Werken der Landshuter Schule von Bildhauern und Malern des späten 15. Jahrhunderts.

 

Auf der Innenseite der Flügel befinden sich je drei Reliefdarstellungen übereinander, links Mariä Verkündigung, Mariä Heimsuchung und die Geburt Christi. Rechts dagegen ist die Anbetung der hl. drei Könige, Aufopferung im Tempel und die Flucht nach Ägypten dargestellt.

 

Auf den Außenseiten der Flügel  befinden sich sechs Gemälde auf Holz, wiederum je 3 Stück übereinander angeordnet. Während auf der linken Seite die Geburt Mariä, die Geburt Christi und der Kindermord von Bethlehem dargestellt ist, befinden sich auf der rechten Seite Gemälde des Tempelgang Mariäs, der Beschneidung Christi sowie der Flucht nach Ägypten.

 

Unter dem Schrein des Flügelaltars, als Predella befindet sich das spätgotische, bemalte Holzrelief „Tod Mariä“ umgeben von den zwölf Aposteln, um 1485.

 

Von 1864- 1968 trug der Schrein die „Krönung Mariäs“, eine Figurengruppe, die heute über dem Eingang zur Sakristei hängt. 1968 wurde der Flügelaltar wieder umgestaltet und erhielt sein heutiges Aussehen mit den  Figuren Maria, St. Barbara und St. Erhard im Schrein.

 

Über dem Flügelaltar befindet sich an der Wand ein spätgotisches Kruzifix, welches früher als Chorbogenkreuz angeordnet war.

 

Der südliche barocke Seitenaltar stammt aus der Zeit um 1680. Er hat zwei gewundene weinlaubumrankte Säulen. Das Altarblatt zeigt die Enthauptung der heiligen Barbara.

 

 

 

 

2.2.3.2 Holzskulpturen

 

Die älteste Figur in der Kirche ist eine kleine frühgotische Marienstatue mit Kind, um  1300, die in einer separaten Nische an der einspringenden Turmmauer untergebracht ist.

Als weitere Holzskulpturen  befinden sich im Langhaus die barocken Figuren Maria, Wendelin und Georg.

 

2.2.3.3 Gemälde

 

An den Wänden des Langhauses befinden sich barocke Gemälde des Kreuzweges,  ein Votivgemälde vom Wallfahrtsgelöbnis der Landshuter Frauen beim Ausbruch der Cholera im Jahre 1854, sowie Gemälde mit Darstellungen des hl. Erhard..

Über der Nische beim einspringenden Turm mit der spätgotischen Marienstatue ist ein barockes Ölgemälde angebracht, welches das „Schweißtuch der Veronika“ darstellt.

Außerdem sind an der Emporebrüstung acht barocke Bilder aus dem Marienleben angebracht.

 

 

2.2.3.4 Netzrippengewölbe mit Wappendarstellungen

 

Über dem Langhaus, sowie über dem Chorraum ist ein fein figuriertes Netzgewölbe erhalten. Als Prototyp dieses Netzgewölbes, mit seiner später in Europa beispielhaften Vielfalt, kann man die Prager Springrautengewölbe des Altstädter Brückenturmes, der Wenzelskapelle und des Domchores von Peter Parler bezeichnen. Diese Form wurde ungezählte Male variiert. Die Figur im Polygon mit den gleichen Rautenkomponenten läßt sich zu einem Stern schließen.

 

Ähnliche Springrautengewölbe findet man des öfteren in Landshut, z. B.  im Chor der Kirche „St. Martin“ und auch in vielen anderen Kirchen Bayerns, u. a. auch auf dem Land, wo viele kleinere Meister tätig waren, die namentlich kaum in Erscheinung treten.

Auf den Schlußsteinen sind Wappen dargestellt, von denen einige noch nicht eindeutig identifiziert sind. Einem Schreiben des Bischöflichen Zentralarchivs Regensburg kann entnommen werden, daß es die Wappen von Adelsfamilien aus der näheren Umgebung bzw. Bürgerfamilien aus der Stadt Landshut sein dürften, die einen Bezug zu Frauenberg hatten.

 

 

2.2.3.5 Wandfresken

 

An den Seitenwänden des Langhauses sowie beim Chor befinden sich Wandfresken, die Reste einer Bemalung aus der Rennaissancezeit. Diese Fresken sind geprägt von Malern, die 1568- 1579 an der Umgestaltung der Burg Trausnitz gearbeitet haben.

 

Das Fresko an der linken Wand war übermalt und wurde erst bei einer Renovierung des Innenraumes 1975 wiederentdeckt und um 1996 renoviert. Dieses Bild zeigt die Mannaspeisung beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. (Ex, 16).

 

Drei weitere Fresken befinden sich ebenfalls in der Kirche mit den Motiven von St. Matthias, St. Magdalena und St. Petrus.

 

 

2.2.3.6 Malereien an der Empore

 

Nach der statischen Sicherung der Empore, die eine Notmaßnahme darstellte, war eine farbliche Neufassung passend zur Innenausstattung geplant. Diese sollte jedoch erst nach Freistellung der entsprechenden Gelder erfolgen. Im Zuge der Vorplanung wurden vor kurzem Befunde an der Empore erstellt. Diese lassen Malereien im gesamten Brüstungsbereich vermuten. Die weitere Vorgehensweise muß erst noch festgelegt werden.

 

 

 

 

2.2.3.7 Kirchenorgel

 

Auf der zweiten Etage der Empore befindet sich die Kirchenorgel. Sie wurde erbaut 1912 von Ludwig Edenhofer, Sohn (1861 – 1940), dessen gleichnamiger Vater bereits viele Werke für niederbayerische Kirchen geschaffen hatte.

 

Die Orgel hat zwei Manuale und sechs klingende Register. Ein jüngster Befund an der Orgel ist auf keine darunterliegende Bemalung gestoßen, wie man vielleicht aufgrund der Befunde an der Emporebrüstung vermuten hätte können.

 

 

11.    Fußnoten

 

1)      Eckardt, A., Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, II., Bezirksamt Landshut, München – Wien 1981, S. 91-95

2)      Nußbaum, N., Lepsky S., Das gotische Gewölbe, Eine Geschichte seiner Form und Konstruktion, Darmstadt 1999, S.13, 61, 237

3)      Erler, K., Alte Holzbauwerke, Beurteilen und sanieren, Berlin 1997

4)      Kirchmeier, V., Dettenkofer, H., Kirchenführer „Frauenberg, Kath. Kirche Maria Heimsuchung“, Landshut 1995

 

12.    Literatur

 

1)                  Arendt, C., Seele, S., Feuchte und Salze in Gebäuden, Ursachen, Sanierung, Vorbeugung, Leinfelden – Echterdingen 2000

2)                  Arendt, C., Wiesen, H., Verfahren zur Untersuchung von Mauerfeuchtigkeit – Ursachenbestimmung, Planungskriterien, Fallbeispiele, Aachen 1993

3)                  Blaschke, R., Gerner, M., Knöfel, D., Mehlhorn, L., Handbuch zur Denkmalforschung, Pilotprojekt, Fachwerkkirche Eichelsachsen, Berlin 1994

4)                  Bleibrunner, H., Landshut, die altbayerische Residenzstadt, Altheim b. Landshut 1995, S 235 – 236

5)                  Brenninger, G., Orgeln in Altbayern, München 1996

6)                  DGfH – Fachkongreß, Alte Bausubstanz neu nutzen, Ein praktischer Wegweiser durch die Bauwerkssanierung, Berlin 1995

7)                  Ebermeier, W., Zdera, H., Landshut, Traunreut 1999

8)                  Greipl, E., J., Macht und Pracht, Die Geschichte der Residenzen in Franken, Schwaben und Altbayern, Regensburg 1991

9)                  Liedke, V., Denkmäler in Bayern, Band II. 24, München – Zürich 1988, S. 274

10)              Mader, F., Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, XVI., Stadt Landshut mit Einschluß der Trausnitz, München – Wien 1980

11)              Mönck, W., Schäden an Holzkonstruktionen, Analyse und Behebung, Berlin 1995

12)              Müller, N., Glückner, R., Gründungsschäden an historischen Bauwerken, Schadensursachen, Untersuchungsmethoden, Sanierung, Aachen 1993

13)              Pieper, K., Dr.-Ing., Dr.-Ing., Sicherung von historischen Bauten, Berlin – München 1983

14)              Schwarz, G., Historischer Atlas von Bayern, München 1976

15)              Spitzlberger, G., Landshut in Geschichte und Kunst, Riemerling 1989

16)              WTA, Merkblatt 1–2–91, Der Echte Hausschwamm, Erkennung, Lebensbedingungen, vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen, Leistungsverzeichnis

 

 

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